aus dem 5. Kapitel

Wo jeder Sommer ein ganzes Jahr dauert, dort verbrachte der Hauptbuchhalter zusammen mit seiner Frau und seiner Lieblingskollegin den Lebensabend. Dort in Madera starb er 2084 an Altersschwäche. Zum Abschied hatten die drei ihren vormittäglichen Cappuccino getrunken, wie jeden Vormittag zum Abschied.

Der junge Werkzeugmacher erkrankte im selben Jahr 2084 am amerikanischen Schlafvirus und lag bis 2086 in einem Londoner Krankenhaus. Seine Frau entdeckte in dieser Zeit das Berliner Hibaré. Auch Professor Karola Müller-Weißbach erfuhr in ebendem Jahr eine existentielle Unstetigkeit. Sie kam bei einem ökologischen Kongress in Lateinamerika beinahe zu Tode. Aber danach lebte sie erst richtig auf.

2084 feierte Olaf Goldrohr das zehnjährige Bestehen seiner Agentur. Stefan Hecht, sein bester Mitarbeiter, war kurz danach unter mysteriösen Umständen gestorben.

Marie-Luise Rappler ging zu der Zeit ganz ausgezeichnet. Sie hatte ihr bestes Geschäftsjahr. 2084 stand urplötzlich Charlie Braun in ihrem Autosalon und verkaufte einem Kunden ein elektrisches Dreirad auf Solarbasis. Diese Dreiräder fuhren auch bei gedämpftem Licht recht flott und wurden viel für den abendlichen Einkaufsbummel genutzt.

Am späten Abend des 5. Oktober 2084 rief Frau Professor Müller-Weißbach aus Rio in der GoldrohrAgentur an: "Hast Du es schon aus den Nachrichten? Ich bin das Opfer eines Bombenanschlags geworden!" Sie war vor Entrüstung ganz außer Atem.
Olaf Goldrohr: "Ja, aber die Presse sagt , Du hattest nur ein paar Kaffeeflecken auf dem Rock."
"Na, das wäre ja auch noch schöner! Ich und tot! In zwei Tagen bin ich wieder in Berlin, dann muss ich mal die Leistungen Deiner Agentur in Anspruch nehmen."
"Nur für unanständige Zwecke."
Karola: "Darauf kannst Du einen Würfelzucker nehmen."
Olaf: "So ernst war das nicht gemeint."
"Haben die Nachrichten auch meinen Vortrag erwähnt? Ich meine, wenigstens erwähnt?"
Olaf: "Die Konferenz war wohl nicht so spannend."
"Ist das nun Dummheit oder die Mafia?"
Olaf: "Mordanschläge mit Würfelzuckerbomben sind immerhin gut für öffentliche Vermutungen. Vielleicht hängt sich dadurch ein rasender Reporter an Deine Story. Du hast was über Spritze vorgetragen?"
"Ich bin dran! Wir sehn uns."
Olaf: "Auf einen Kaffee mit Zucker, ja?"