Der Gesprächskreis Homosexualität

der Ev. Advent-Zachäus-Kirchengemeinde Berlin-Prenzlauer Berg
war Initiator der Gedenktafel für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Totgeschlagen - Totgeschwiegen -
den homosexuellen Opfern
des Nationalsozialismus

Gedenktafel für die Homosexuellen Opfer - KZ Sachsenhausen

Stolpersteine

für die bisher namentlich bekannten ermordeten Homosexuellen des KZ Sachsenhausen & des Männerlagers im KZ Ravensbrück

Gerhard Möller

Stolperstein Gerhard Möller Geboren am: 21.02.1897
Geburtsort: Osnabrück
Ermordet am: 28.07.1940
Verlegeort: ⟩ PLZ Osnabrück, Kiefernweg 13-19 (früher An der Papenhütte 15)
Initiator: Gay in May e.V, Osnabrück
Zum Lebensweg: Gerhard Möller wurde am 21.02.1897 in Nahne, Kreis Osnabrück, heute ein Stadtteil im Süden von Osnabrück, geboren. Der katholische Arbeiter heiratete und hatte mit seiner Frau Anna drei Kinder.
Ende Mai 1936 geriet er in das Visier der Gestapo Osnabrück. Sie vermerkte über ihn, dass er Anfang der 1930er Jahre wegen Beteiligung an einer Demonstration der Polizei vorgeführt worden sei. Außerdem sei er ein ehemaliges KPD-Mitglied.

Spätestens ab den 19. Mai 1939 befand er sich in Untersuchungshaft. Als letzter Wohnort von ihm und seiner Frau wurde Oldenburger Straße 15 in Osnabrück-Eversburg angegeben.

Am 11. Juli 1939 verurteilte ihn das Landgericht Osnabrück zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr wegen Sittlichkeitsverbrechens, vermutlich aufgrund § 175a StGB. Möglicherweise hatte er sexuellen Kontakt zu einer männlichen Person unter 21 Jahren.

Ein Jahr war die Mindeststrafe, sofern der Straftatbestand die Zuchthausstrafe verlangte. Am 05.07.1939 wurde Gerhard Möller vom Gefängnis Osnabrück in das Zuchthaus Celle gebracht und erkennungsdienstlich behandelt: "Er ist 1,65 m groß, von mittlerer Gestalt, bartlos, hat ein ovales Gesicht, braune Augen, eine hohe Stirn und dunkelblondes Haar". Als besonderes Kennzeichen wurde eine Narbe am rechten Zeigefinger erwähnt.

Zum rechnerischen Strafende wurde er am 19.05.1940 aus der Justizhaft im Zuchthaus Celle entlassen, der Polizei übergeben und in polizeiliche Vorbeugungshaft übernommen.

Noch im ersten Halbjahr 1940 transportierte ihn die Polizei in das KZ Sachsenhausen, wo er als "B.V. 175 Sitt." eingestufe wurde und die Häftlingsnummer 26.209 erhielt.

Gerhard Möller wurde am 28.07.1940 um 7:30 Uhr ermordet, angeblich starb er an Phlegmone, einer Bindegewebserkrankung und eine typische Folge der Haftbedingungen.

Er wurde 43 Jahre alt und hatte im KZ nur etwa zwei Monate überlebt.
Foto: © G. Uthmann, Osnabrück, 05/2019
Fußnoten:
1 KZ Sachsenhausen 1939-1945: ⟩ Internet-Totenbuch der Gedenkstätte Sachsenhausen.
  Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann 86 Celle Acc 142/90 Nr. 39/231, Gestapokartei Osnabrück, Archiv der Gedenkstätte Sachsenhausen, Pr. Br. Rep. 35 H, BAnd 3/10, Blatt 257.